Restaurant eröffnen: die Reihenfolge, die zählt
Es scheitert selten am Essen. Es scheitert daran, dass drei Behörden gleichzeitig etwas wollen und niemand gesagt hat, womit man anfängt.
Kurz erklärt: Ein Restaurant zu eröffnen scheitert selten am Essen. Es scheitert daran, dass drei Behörden etwas voneinander wollen, zwei Fristen schon laufen und niemand gesagt hat, in welcher Reihenfolge. Diese Seite sortiert das. Am Ende steht eine Liste, die du abhaken und mitnehmen kannst.
Die Reihenfolge ist das Eigentliche
Fast alles, was dich später Geld kostet, entsteht in den Wochen, in denen noch nichts passiert ist. Der Vertrag, den du unterschrieben hast, bevor das Bauamt die Nutzung bestätigt hat. Die Küche, die eingebaut wurde, bevor klar war, wem sie am Ende gehört. Die Kasse, die seit vier Monaten läuft und die niemand beim Finanzamt gemeldet hat.
Deshalb beginnt die Liste nicht bei der Anmeldung, sondern davor.
Bevor du unterschreibst
Das tust du
- Nutzung der Räume beim Bauamt klären, bevor du unterschreibst
- Mietvertrag auf Laufzeit, Zuschüsse und Rückbaupflicht prüfen lassen
- Break-Even rechnen: wie viele Gäste am Tag der Laden braucht
- Puffer für drei Monate laufende Kosten einplanen
Das lässt du
- Keine Kaution zahlen, solange die Nutzung nicht geklärt ist
- Nicht auf mündliche Zusagen des Vermieters bauen
- Nicht mit dem besten Fall rechnen, sondern mit dem mittleren
- Nicht umbauen, bevor schriftlich steht, wem der Einbau gehört
Ergebnis: Du weißt, was dich der Vertrag im schlimmsten Fall kostet.
Anmeldungen — und zwar in dieser Reihenfolge
Das tust du
- Gewerbe anmelden — daraus folgt fast alles andere automatisch
- Bei der Gemeinde fragen, was dein Bundesland gaststättenrechtlich verlangt
- Berufsgenossenschaft: binnen einer Woche, auch ohne Personal
- Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER, innerhalb eines Monats
Das lässt du
- Nicht annehmen, dass eine Liste aus dem Internet für dein Land stimmt
- Die IHK-Unterrichtung nicht auf den letzten Moment legen — Termine sind knapp
- Nicht warten, bis das Finanzamt sich meldet
- Keine Behörde auslassen, weil „das macht der Steuerberater schon“
Ergebnis: Keine Frist läuft dir davon, bevor du geöffnet hast.
Hygiene, Kasse und das, was geprüft wird
Das tust du
- Belehrung nach § 43 IfSG für jede Person mit Lebensmittelkontakt
- HACCP-Konzept, Reinigungsplan und Temperaturkontrolle schriftlich führen
- Kasse mit TSE kaufen und innerhalb eines Monats beim Finanzamt melden
- Allergene auf der Karte oder schriftlich am Platz
Das lässt du
- Keine Kasse ohne zertifizierte TSE, auch nicht übergangsweise
- Keine Listen nachträglich ausfüllen — das fällt auf und wiegt schwerer
- Die Verfahrensdokumentation zur Kasse nicht als Formsache abtun
- Nicht darauf setzen, dass im ersten Jahr niemand kommt
Ergebnis: Du kannst jede Frage einer Prüfung mit einem Papier beantworten.
Lieferanten, Musik und der Rest, an den niemand denkt
Das tust du
- Musik vor dem ersten Ton anmelden
- Für jede wichtige Ware einen zweiten Lieferanten haben
- Lieferzeiten, Mindestbestellwert und Zahlungsziel schriftlich festhalten
- Rundfunkbeitrag für die Betriebsstätte anmelden
Das lässt du
- Keinen einzigen Lieferanten für eine Warengruppe
- Nicht erst beim Umbau an die Kühlkette denken
- Nicht glauben, dass eine private Streaming-Lizenz im Lokal gilt
- Die Mehrwegpflicht nicht aus Angst erfüllen, ohne zu prüfen, ob sie dich trifft
Ergebnis: Keine Rechnung überrascht dich drei Monate nach der Eröffnung.
Die Regeln sind nicht überall gleich
Ein Beispiel dafür, warum du keiner Liste blind trauen solltest, auch dieser nicht: Baden-Württemberg hat zum 1. Januar 2026 die Gaststättenerlaubnis abgeschafft und durch eine bloße Anzeige ersetzt. In anderen Bundesländern gilt die Erlaubnispflicht beim Ausschank von Alkohol weiter. Mehrere große Ratgeberseiten führen Baden-Württemberg bis heute in der falschen Spalte.
Der erste Anruf bei deiner Gemeinde kostet zehn Minuten und ersetzt jede Recherche. Drei Fragen reichen: Brauche ich eine Erlaubnis oder genügt eine Anzeige? Wie lange vorher? Und welche Nachweise wollt ihr sehen?
Die ganze Liste zum Abhaken → 60 Punkte in neun Phasen, auf Deutsch, Italienisch, Englisch und Türkisch. Mit dem amtlichen deutschen Begriff, der Behörde und der Frist bei jedem Punkt. Zum Ausdrucken, kostenlos.Ehrlich gesagt: Diese Seite ersetzt weder einen Anwalt noch einen Steuerberater noch das Gespräch mit deiner Gemeinde. Sie sorgt nur dafür, dass du weißt, welche Fragen du stellen musst, bevor jemand anders sie für dich beantwortet — meist gegen Rechnung. Stand der Angaben: Oktober 2026.
Übrigens: Zwei Entscheidungen aus dieser Liste holen dich später wieder ein — die Kasse und das Konto. Zu beiden gibt es einen eigenen Artikel: Kassensystem und Geschäftskonto.